Wenn die Naht sitzen soll, kommt es auf die richtige Zugabe an

Für einen Hohlsaum zuerst die Webrichtung prüfen. Ein Probestück von etwa zehn Zentimetern Breite hilft, die Fadenzahl und die spätere Bündelbreite zu bestimmen. Mit einer spitzen Nadel zwei bis vier Fäden vorsichtig herausziehen, immer nur einen nach dem anderen. Zuviel Ziehen verschiebt das Gewebe, und die Kante wird wellig. Dann die verbleibenden Fäden mit einem dünnen Häkelhaken oder der Nadel in gleichmäßige Gruppen teilen. Zwischen zwei Bündeln etwa zwei bis drei Millimeter Abstand lassen, sonst reißen die Fäden beim Binden.<br> <br> <br> <br> Große Tischdecken verzeihen keine schlampigen Säume. Wer eine Decke über zwei Meter mit der Maschine vernäht, kämpft mit Stoffmassen, die sich schieben, wellen und an den Ecken auftürmen. Entscheidend sind drei Dinge: die Kante vor dem Nähen bügeln, den Stoff nicht ziehen, sondern führen, und die Ecken separat arbeiten. Wer diese Reihenfolge ignoriert, bekommt wellige Ränder, die auf dem Tisch nicht aufliegen.<br> <br> <br> <br> <img src="https://www.freepixels.com/class=" style="max-width:420px;float:left;padding:10px 10px 10px 0px;border:0px;"><span style="font-weight: 600;">Die übliche Zugabe liegt bei</span> <span style="font-weight: 800;">1 bis 1,5 cm entlang gerader</span> Nähte. An Rundungen, Ecken und schmalen Kanten reduziert man sie auf 0,5 bis 0,7 cm, damit der Stoff beim Wenden nicht aufträgt. Für Säume sind 3 bis 5 cm üblich, bei stark ausgestellten Röcken eher mehr, damit der Saum genug Gewicht hat. An Reißverschlüssen und Belegen bleibt die Zugabe schmal, dort reichen oft 1 cm. Ein Blick auf den Schnittbogen verrät, welche Zugabe bereits enthalten ist – viele Schnitte sind ohne Zugabe gezeichnet, andere mit.<br> <br> <br> <br> Zuerst wird die Kordelöffnung geplant. Der Tunnel entsteht, indem der obere Stoffrand um die doppelte Kanalbreite plus Nahtzugabe nach innen umgebügelt und festgenäht wird. Als Faustregel gilt: Die Kanalbreite muss mindestens das Doppelte des Kordeldurchmessers betragen, damit die Kordel nicht schleift. Zwei kleine Öffnungen werden vor dem Zusammennähen der Seitennähte in die Kanalnaht eingearbeitet — je eine links und rechts der späteren Seitennaht. Wer diese Lücke vergisst, muss die Kordel später mit einer Sicherheitsnadel durch den ganzen Kanal schieben, was bei fester Webkante zur Geduldsprobe wird.<br> <br> <br> <br> Ein häufiger Fehler ist zu festes Ziehen am Stoff. Der Transporteur schiebt die untere Lage schneller voran als die obere, wodurch sich der Saum wellt. Abhilfe: den Nähfußdruck reduzieren, eine feinere Nadel verwenden und langsam nähen. Ebenso problematisch ist ein zu breiter zweiter Einschlag. Je breiter die gebrochene Kante, desto schwerer lässt sie sich gleichmäßig führen, und desto eher wird der Saum auf der rechten Seite sichtbar. Ein schmaler Einschlag von fünf bis sieben Millimetern liefert bei den meisten Stoffen das sauberste Ergebnis.<br> <br> <br> <br> Die Naht am Tunnelzug richtig setz<br> <br> <br> <br> Die Nahtzugabe ist der Stoffstreifen zwischen der eigentlichen Nahtlinie und der Stoffkante. Sie wird nicht einfach abgeschnitten, sondern vor dem Zuschnitt auf den Stoff übertragen und beim Nähen exakt geführt. Wer die Zugabe falsch anzeichnet, verliert entweder Breite oder muss später auftrennen. Deshalb gehört die Zugabe immer dann markiert, wenn der Schnitt fertig ist und bevor die erste Nadel in den Stoff geht.<br> <br> <br> <br> Typische Fehler: Die Linie wird zu dick gezogen, dann näht man daneben. Oder die Zugabe wird am Stoffbruch vergessen, sodass das Teil nach dem Wenden zu schmal ist. Auch das Anzeichnen auf der linken Seite mit einem Stift, der durchschlägt, ruiniert die rechte Seite. Wer mit Kreide arbeitet, sollte den Stoff vor dem Bügeln abschütteln, sonst brennt die Kreide ein. Besonders bei dünnen oder dunklen Stoffen ist ein heller, wasserlöslicher Stift besser als Kreide.<br> <br> <br> <br> Womit die Zugabe auf den Stoff kommt Am zuverlässigsten arbeitet man mit einer Schablone aus Pappe oder Kunststoff, die exakt die gewünschte Breite hat. Man legt sie an die Schnittkante und zieht mit einem Kreidestift oder einem wasserlöslichen Markierstift eine Linie. Alternativ eignet sich ein Nahtzugabenfuß an der Nähmaschine, der die Breite direkt neben der Nadel führt und das Anzeichnen fast überflüssig macht. Wer mit Schneiderkreide arbeitet, sollte dünn anzeichnen, sonst verschmiert die Linie beim Zusammenstecken. Ein Rollrädchen mit farbigem Papier ist nur bei festen, glatten Stoffen sinnvoll, nicht bei Jersey.<br> <br> <br> <br> Vor dem Zuschnitt prüfen: Ist die Zugabe an allen Kanten gleichmäßig? Bei Ecken und Rundungen lohnt es sich, die Nahtzugabe vor dem Nähen leicht einzuschneiden, damit der Stoff nicht zieht. Nach dem Nähen wird die Zugabe auf die Hälfte gekürzt, an Ecken schräg abgeschnitten. So liegt die Naht flach und drückt sich nicht durch. Wer die Zugabe erst nach dem Nähen markiert, arbeitet ungenau – die Linie gehört vor dem ersten Stich auf den Stoff.