Die Ecke formen, nicht zieh<br>
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Häufige Fehler tauchen immer wieder auf. Der erste: Die Gegennaht wird mit demselben Faden wie die Hauptnaht genäht, obwohl ein etwas stärkerer Faden an der Belastungsspitze mehr Zug aufnimmt, ohne zu reißen. Der zweite: Man vernäht die Gegennaht ohne Verriegelung, sodass sich der Faden an der Nahtkante aufzieht. Der dritte und teuerste: Die Gegennaht kreuzt eine Quernaht im 90-Grad-Winkel und durchtrennt dabei bereits gesetzte Fäden. Wer das übersieht, schwächt die Tasche statt sie zu verstärken.<br>
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Das Dekatieren selbst läuft mit Dampf und Zug. Das feuchte Leinen wird auf einer festen Unterlage glatt gestreckt, ohne es in die Länge zu ziehen. Dann wird mit einer heißen Bügelsohle und viel Dampf in gleichmäßigen, langsamen Bahnen gearbeitet. Nicht hin und her reiben, sondern das Eisen aufsetzen, kurz halten, weiterziehen. Besonders kritisch sind Kanten, Säume und Nähte: Dort liegt mehr Material aufeinander, dort entsteht durch zu viel Druck und Reibung der meiste Fussel. Diese Bereiche werden zuletzt und mit weniger Druck behandelt.<br>
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Wer selbst näht, überträgt die Rückenlänge vor dem Zuschnitt auf das Schnittmuster. Die Anpassung erfolgt an der Taille, nicht am Saum, damit die Proportionen erhalten bleiben. Eine Verlängerung um drei Zentimeter bedeutet, das Rückenteil an der Taille um diesen Betrag zu strecken und die Seitennähte entsprechend anzugleichen. Beim Kürzen geht man umgekehrt vor. Wer diesen Schritt überspringt und einfach den Saum abschneidet, verliert die Taillenform und erhält eine sackartige Silhouette.<br>
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Der Oberfaden beginnt an der Garnrolle. Die Rolle muss frei abrollen können, ohne zu schleudern. Dann wird der Faden durch die Fadenführung gezogen, anschließend durch die Spannungsscheiben. Diese sitzen meist vorne an der Maschine. Danach folgt der Fadenhebel, der sich beim Nähen auf und ab bewegt. Erst dann geht es durch die Nadelöhre von vorne nach hinten. Wichtig: Die Nadel muss für den Stoff und den Faden passend gewählt sein. Eine stumpfe oder verbogene Nadel ruiniert jeden Stich.<br>
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Warum zwei Nadeln besser halten als eine Für eine haltbare Reparatur wird mit zwei Nadeln und einem festen, gewachsten Faden gearbeitet. Der Faden läuft durch beide Nadeln, die abwechselnd von beiden Seiten durch dasselbe Loch geführt werden. So entsteht auf beiden Lederseiten dasselbe Bild, und die Naht kann nicht aufgehen, wenn ein Stich beschädigt wird. Ein einfacher Vorstich mit einer Nadel hält an dieser Stelle meist nur bis zur nächsten Belastung.<br>
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Nach dem Schließen die Naht vorsichtig glätten. Ein Holzstab oder der Griff einer Bürste drückt die Stiche gleichmäßig ins Leder, ohne es zu beschädigen. Wer unsicher ist, übt vorher an einem Stück Restleder mit gleicher Dicke. Die Reparatur ist kein Provisorium, wenn Leder und Faden die gleiche Festigkeit haben wie am übrigen Schuh. Hält die Naht nach mehreren Trageversuchen, war die Entscheidung richtig, nicht sofort zu ersetzen.<br>
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Typische Fehler: zu dünner Faden, zu große Stichabstände und ein Knoten, der direkt auf der Sichtseite liegt. Der Faden sollte mindestens so dick sein wie der Originalfaden. Die Stichabstände orientieren sich an der alten Naht, auch wenn die neuen Löcher versetzt liegen. Den Anfangsknoten versenkt man zwischen den Lederschichten oder legt ihn auf die spätere Innenseite. Zum Schluss wird der Faden nicht abgeschnitten, sondern mit einem Tropfen Kleber gesichert und leicht eingezogen.<br>
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Beim Einstich nie mit Gewalt durch das Leder gehen. Ein Ahle oder eine spitze Nadel schafft das Loch, die Nadel folgt. Wer zu stark drückt, reißt das umliegende Leder ein. Bei dickerem Oberleder hilft es, die Stelle vorher mit einem feuchten Tuch leicht anzufeuchten. Das Leder wird geschmeidiger, darf aber nicht durchnässt werden, sonst verliert es an Form.<br>
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<span style="font-weight: 800;">Wenn sich bei einem Lederschuh</span> die einstichige Naht öffnet, ist das kein Grund, das Paar sofort wegzuwerfen. Entscheidend ist, ob nur der Faden gerissen ist oder ob das Leder entlang der Stichlöcher ausgerissen wurde. Im ersten Fall lässt sich die Naht mit etwas Geduld von Hand schließen. Im zweiten Fall muss die alte Stichreihe versetzt werden, sonst reißt der neue Faden sofort wieder durch.<br>
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Zuerst wird die Schadstelle gereinigt und der alte Faden vollständig entfernt. Reste im Leder verhindern, dass die neue Naht sauber sitzt. Mit einer kleinen Zange lassen sich Fadenreste greifen, ohne das Leder zu quetschen. Anschließend prüft man, ob die Stichlöcher noch stabil sind. Ein leichtes Ziehen am Leder zeigt, ob es nachgibt. Ist das der Fall, darf nicht in die alten Löcher gestochen werden.