Die Naht am Tunnelzug richtig setz<br>
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Wer enganliegende Ärmel näht, kennt das Ergebnis falsch gemessener Armlochtiefe: Der Ärmel sitzt entweder wie ein Sack oder zieht Querfalten unter der Achsel. Die Tiefe des Armlochs ist der Abstand von der Schulternaht bis zur tiefsten Stelle der Achselhöhle. Genau dieser Wert entscheidet, ob die Armkugel zur Ärmelbreite passt. Ein zu tiefes Armloch macht den Ärmel zu weit, ein zu flaches drückt die Naht in die Achsel und behindert jede Bewegung.<br>
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Nach dem Dekatieren darf das Leinen nicht sofort zusammengelegt werden. Es muss flach auskühlen, damit die gesetzten Fasern ihre neue Form behalten. Wird es heiß gefaltet, entstehen Knicke, die später wieder herausgebügelt werden müssen – und jedes erneute Bügeln bedeutet neue Reibung. Auch das Tragen und Waschen danach sollte schonend bleiben: wenig Schleudern, keine aggressiven Waschmittel, keine Trocknerhitze. So bleibt die Oberfläche länger glatt und der Fussel hält sich in Grenzen.<br>
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Typische Fehler entstehen auch beim Vergleich mit der Armkugelhöhe. Die Armkugelhöhe wird an der Ärmelkugel von der höchsten Stelle bis zur tiefsten Stelle der Ärmelnaht gemessen. Beide Werte müssen zusammenpassen: Die Armlochtiefe des Oberteils plus Nahtzugabe sollte der Armkugelhöhe plus Nahtzugabe entsprechen, abzüglich der Einhalteweite. Wer hier schätzt, produziert entweder eine Kugel, die zu hoch ist und den Stoff nach oben zieht, oder eine zu flache, die unter der Achsel spannt.<br>
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Nach dem Stopfen wird die Stelle vorsichtig gedämpft, nicht gebügelt. Ein Bügeleisen mit Dampffunktion wird einige Zentimeter über den Stoff gehalten, damit sich die Fasern entspannen. Direkter Druck oder Hitze können den Faden schmelzen lassen oder den Unterlegstoff verformen. Erst nach dem vollständigen Abkühlen wird das Hemd wieder auf die rechte Seite gedreht und die Reparatur kontrolliert. Sitzt der Flicken glatt und ist von außen nichts zu sehen, hält die Reparatur in der Regel mehrere Wäschen. Zeigen sich nach dem ersten Waschgang Wellen oder löst sich der Rand, wurde entweder zu fest gezogen oder das Unterlegstück war zu klein.<br>
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Zuerst wird der Stoff bestimmt, nicht der Faden. Leichte, feine Gewebe wie Seide, Chiffon oder Batist verlangen Nadeln der Stärke 60 bis 70. Mittelgewichtige Baumwolle, Leinen oder Jersey liegen bei 80 bis 90. Schwere Stoffe wie Jeans, Cord, Canvas oder Leder brauchen 100 bis 110, bei sehr hartem Material auch mehr. Eine zu dünne Nadel verbiegt in schwerem Stoff, die Spitze stumpft ab, der Faden reißt. Eine zu dicke Nadel hinterlässt in feinem Stoff sichtbare Löcher, die sich nicht mehr schließen.<br>
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Zum Schluss lohnt eine Probe: Ärmel mit Heftfaden einsetzen und den Sitz prüfen, bevor die Naht endgültig vernäht wird. Sitzt die Kugel sauber, ohne Querfalten unter der Achsel und ohne Zug an der Schulter, stimmt die Armlochtiefe. Zieht der Stoff, ist das Armloch zu flach. Bildet sich eine Falte, ist es zu tief. Korrigiere dann die Tiefe am Schnittteil, nicht am Ärmel, denn nur dort lässt sich der Wert dauerhaft und sauber anpassen.<br>
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Das Vernähen auf der Rückseite ist der zweite Punkt, an dem viele abbrechen. Der Faden wird nicht einfach abgeschnitten. Stattdessen sticht man zweimal durch eine kleine Stofffalte neben der Nähstelle, ohne den Stoff sichtbar zu raffen, und zieht den Faden durch die entstandene Schlaufe. Diesen Vorgang wiederholt man einmal, dann schneidet man den Faden dicht an der Schlaufe ab. So verschwindet das Ende im Gewebe, ohne dass ein Knoten auf der Haut drückt oder sich später löst.<br>
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Ein weiterer häufiger Fehler ist das Messen am Körper. Der Körper gibt nach, das Gewebe nicht. Wer am Arm misst, erhält einen zu großen Wert, weil der Bizeps und die Achselfalte das Maßband nach außen drücken. Miss immer am flach liegenden Schnittteil. Bei asymmetrischen Oberteilen beide Seiten einzeln messen, denn Schulternaht und Achselhöhle verlaufen selten identisch. Kleine Abweichungen von wenigen Millimetern sind normal, größere deuten auf einen Zuschnittfehler hin.<br>
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Warum die Nahtzugabe den Wert verschiebt Viele messen bis zur Schnittkante und vergessen die Nahtzugabe. Wer mit einer Zentimeterzugabe näht, muss diese von der gemessenen Tiefe abziehen, sonst wird der Ärmel um genau diesen Betrag zu tief angesetzt. Umgekehrt gilt: Wird die Armkugel mit eigener Zugabe gearbeitet, addiert sich der Fehler. Kontrolliere deshalb immer, ob die gemessene Tiefe die Nahtzugabe bereits enthält oder nicht. Ein Unterschied von einem Zentimeter reicht bei enganliegenden Ärmeln, um sichtbare Falten zu erzeugen.<br>
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<span style="font-weight: 600;">Die Nadelstärke ist keine</span> Geschmacksfrage. Sie entscheidet darüber, ob die Maschine sauber sticht, ob der Faden hält und ob der Stoff an der Naht leidet. Wer eine 80er-Nadel in Jeans drückt oder eine 100er in Seide schiebt, produziert Fehler, die später kaum zu reparieren sind. Die richtige Nadel entsteht aus zwei Größen: der Stoffart und der Fadenstärke. Beide müssen zusammenpassen, sonst stimmt keine der beiden.<img src="https://www.freepixels.com/class=" style="max-width:400px;float:left;padding:10px 10px 10px 0px;border:0px;">