Ableger statt Neukauf: Der Fehler, der Reben alt macht

Ein weiterer typischer Fehler ist, Wasserschosser mit Fruchtrieben zu verwechseln. Fruchttriebe sind kürzer, haben oft eine endständige Blütenknospe und wachsen weniger steil. Wer genau hinschaut, erkennt den Unterschied. Wer unsicher ist, kann Wasserschosser markieren und im nächsten Jahr beobachten, wie sie sich entwickeln. Oft zeigt sich dann, ob sie Blüten tragen oder weiterhin nur Blattmasse bilden.<br> <br> <br> <br> <span style="font-weight: 700;">Als Nächstes gehen die nach</span> innen wachsenden und die sich kreuzenden Äste. Ein Ast, der quer durch die Krone wächst, scheuert an anderen und schafft offene Wunden, in die Pilze eindringen. Von zwei sich kreuzenden Ästen bleibt derjenige, der flacher und in die gewünschte Richtung wächst. Die Leitäste, also die drei bis fünf Hauptäste, die das Gerüst bilden, bleiben grundsätzlich stehen. Sie werden nur eingekürzt, wenn sie zu lang und dünn sind, oder auf einen kräftigen Seitentrieb abgeleitet. Zu dicht stehende Fruchtäste am Ende der Leitäste werden ausgedünnt, sodass zwischen ihnen eine Handbreit Luft bleibt. Das fördert große, gut gefärbte Äpfel.<br> <br> <br> <br> Wer regelmäßig verbindet, sollte den Verband nach Exsudatmenge wählen und nicht nach Gewohnheit. Ein durchgebluteter oder durchgenässter Verband zeigt, dass die Aufnahme nicht reicht. Wechselt man zu selten, bleibt Flüssigkeit stehen; wechselt man zu oft, reißt man den Heilungsrand auf. Ein Blick auf die Wundränder verrät viel: Sind sie blass, aufgequollen und schmerzhaft, war zu viel Feuchtigkeit im Spiel. Sind sie trocken und rissig, fehlte Schutz. Die richtige Balance ist keine Frage des Gefühls, sondern der Beobachtung.<br> <br> <br> <br> Alte Reben verlieren mit den Jahren an Ertrag, die Beeren bleiben kleiner, und der Stock wirkt ausgelaugt. Viele greifen dann zur Säge und kaufen eine Jungpflanze nach. Das ist meistens unnötig. Ein Rebstock lässt sich über einen Ableger verjüngen. Der entscheidende Fehler dabei: Man schneidet den Trieb zu früh vom Mutterstock ab. Solange der Ableger keine eigenen Wurzeln im Boden gebildet hat, versorgt ihn ausschließlich der alte Stock. Wer diese Verbindung kappt, bevor sich ein kräftiges Wurzelsystem entwickelt hat, verliert den Ableger und hat am Ende weder neue noch alte Rebe.<br> <br> <br> <br> <span style="font-weight: 800;">Ein häufiger Fehler ist das</span> zu frühe Ablösen des Verbands. Viele schauen mehrmals täglich nach, ob die Wunde schon zu ist, und reißen dabei jedes Mal den empfindlichen neuen Gewebesaum auf. Besser ist es, den Verband zwei bis drei Tage zu lassen, sofern er nicht durchgeblutet ist oder riecht. Wer unsicher ist, ob sich die Wunde entzündet hat, achtet auf Rötung, Schwellung, pochenden Schmerz oder Eiter. Dann ist ein Arztbesuch sinnvoll, denn im Herbst können sich Keime in geschwächten Hautpartien schneller ausbreiten.<br> <br> <br> <br> <span style="font-weight: bolder;">Mit dem ersten Kälteeinbruch</span> im Oktober stellt sich bei vielen eine unangenehme Beobachtung ein: Kleine Schnitte, Schürfwunden oder rissige Stellen an den Händen heilen plötzlich deutlich langsamer als im Sommer. Das ist kein Einbildungseffekt, sondern hat handfeste physiologische Gründe. Die Durchblutung der Haut geht bei Kälte zurück, die Zellteilung läuft träger ab, und die Talgproduktion sinkt. Wer jetzt nicht gegensteuert, riskiert, dass aus einer harmlosen Verletzung eine hartnäckige, offene Stelle wird, die wochenlang bleibt.<br> <br> <br> <br> <strong>Neben der äußeren Pflege</strong> hilft die Ernährung. Vitamin C, Zink und ausreichend Eiweiß unterstützen die Kollagenbildung. Wer im Oktober viel Kaffee trinkt und wenig isst, merkt das an der Heilung. Zwei Liter Wasser am Tag, Obst und Gemüse mit hohem Vitamin-C-Gehalt sowie Nüsse und Vollkornprodukte sind keine Wundermittel, aber sie liefern die Bausteine, die der Körper für die Reparatur benötigt. Wer raucht, sollte zumindest während der Heilungsphase pausieren, denn Nikotin verengt die Gefäße zusätzlich.<br> <br> <br> <br> Die richtige Reinigung ist deshalb entscheidend. Kleine Wunden sollten mit lauwarmem Wasser und einem pH-neutralen Reinigungsmittel gespült werden, nicht mit alkoholhaltigen Desinfektionsmitteln, die das Gewebe zusätzlich reizen. Anschließend die Umgebung der Wunde vorsichtig trocken tupfen, nicht reiben. Ein Pflaster oder ein steriler Verband, der nicht verklebt, schützt vor Schmutz und hält die Wunde feucht. Dieses feuchte Milieu ist wichtig: Es beschleunigt die Zellwanderung und verhindert, dass sich ein rissiger Schorf bildet.<br> <br> <br> <br> Eine Astsäge arbeitet anders. Ihre Zähne sind für hartes, trockenes Holz ausgelegt und tragen Späne ab, statt zu quetschen. Wichtig ist die Zahnung: Für Totholz eignet sich eine Säge mit grober Zahnung und geschränkten Zähnen, damit der Schnitt nicht verklemmt. Feine Sägen für grünes Holz verstopfen bei Totholz, weil die Späne nicht abgeführt werden. Wer regelmäßig Totholz schneidet, sollte deshalb zwei Sägen besitzen: eine grobe für abgestorbene Äste, eine feine für lebendes Holz.<br> <br> <br> <br> Ein häufiger Fehler ist, Wasserschosser im Sommer komplett abzuschneiden. Dadurch wird der Baum zu noch stärkerem Wachstum angeregt, und es bilden sich neue, noch zahlreichere Triebe. Besser ist es, sie im Frühjahr oder Spätsommer auf einige Augen zurückzuschneiden oder sie als Fruchtäste zu erziehen. Dazu bindet man sie vorsichtig in eine waagerechte Position, damit sie Blütenknospen ansetzen. So wandelt man einen unerwünschten Trieb in einen produktiven Ast um.