Warum brauchen Himbeeren je nach Sorte einen anderen Schnitt?

Zu den Sorten, die am alten Holz blühen, gehören die Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla), die Tellerhortensie (Hydrangea serrata), die Eichenblatthortensie (Hydrangea quercifolia) und die Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris). Bei diesen Pflanzen sitzen die Knospen an den Triebspitzen und in den oberen Blattachseln der vorjährigen Triebe. Ein Rückschnitt dieser Triebe entfernt die gesamte Blüte. Deshalb beschränkt sich der Schnitt hier auf das Entfernen abgestorbener, erfrorener oder kreuzender Zweige. Verblühtes wird nur bis zum nächsten kräftigen Blattpaar zurückgenommen, nicht tiefer.<br> <br> <br> <br> Bei einmal tragenden Sorten ist der Schnitt nach der Ernte im Sommer entscheidend. Die abgetragenen Ruten werden bodennah entfernt, ohne Stummel stehen zu lassen. Junge, kräftige Bodentriebe bleiben stehen, denn sie tragen im nächsten Jahr. Ein häufiger Fehler ist es, diese neuen Ruten einzukürzen. Das kostet Blütenknospen, weil die Seitentriebe erst im Frühjahr aus den oberen Augen austreiben. Wer im Herbst oder Winter schneidet, entfernt oft Triebe, die noch Früchte bringen würden, und wundert sich über eine mickrige Ernte.<br> <br> <br> <br> Die wichtigste Regel lautet: Licht und Luft müssen bis in die Mitte der Krone gelangen. Ein gut belüfteter Baum trocknet nach Regen schneller ab, was Pilzkrankheiten wie Schorf oder Monilia deutlich bremst. Beim Schnitt wird deshalb zuerst alles entfernt, was nach innen wächst, sich kreuzt oder steil nach oben schießt. Solche Wasserreiser nehmen viel Kraft, tragen aber selten Früchte. Wer sie stehen lässt, bekommt einen Baum, der nur aus Blattmasse besteht.<br> <br> <br> <br> Das richtige Werkzeug und der saubere Schnitt Für den Rückschnitt bis ins gesunde Holz braucht man eine scharfe, desinfizierte Gartenschere. Stumpfe Klingen quetschen das Gewebe und schaffen Eintrittspforten für Pilze. Vor jedem Schnitt reinigt man die Klingen mit Alkohol, besonders wenn bereits faule Triebe entfernt wurden. Geschnitten wird immer knapp über einem nach außen weisenden Auge, etwa fünf Millimeter darüber, mit leichter Neigung vom Auge weg. So kann Regenwasser ablaufen und das Auge bleibt geschützt.<br> <br> <br> <br> Vor dem Schnitt prüft man das Werkzeug. Eine scharfe, saubere Schere schneidet glatt, quetscht nicht und überträgt keine Pilzsporen. Desinfizieren mit Alkohol ist sinnvoll, besonders wenn im Vorjahr Sternrußtau oder Rosenrost auftraten. Handschuhe aus Leder schützen vor Stacheln, eine Astschere für Triebe über fingerdick. Tote, braune oder schwarze Triebe entfernt man zuerst, ebenso alles, was quer durch die Mitte wächst. Ziel ist eine offene Strauchform, in der Luft und Licht bis zum Ansatz gelangen.<br> <br> <br> <br> Beim Schneiden arbeitet man von außen nach innen und von unten nach oben. Ein Trieb wird immer knapp über einer nach außen zeigenden Knospe oder einem Seitentrieb abgeschnitten, ohne einen Stummel zu lassen. Stummel faulen, und die Wunde heilt schlecht. Dicke Äste werden zuerst von unten angesägt, dann von oben, damit die Rinde nicht einreißt. Eine scharfe Schere oder Säge gehört dazu, denn gequetschte Schnittstellen sind Eintrittspforten für Krankheiten.<br> <br> <br> <br> Warum der Schnitt gerade jetzt erfolgt Rosen treiben aus schlafenden Augen aus, die direkt unter der Schnittstelle liegen. Schneidet man zu früh, erfrieren diese Augen oder der Schnitt trocknet ein. Schneidet man zu spät, hat die Pflanze bereits Kraft in Triebe gesteckt, die man anschließend entfernt. Die Forsythienblüte markiert den Punkt dazwischen: Der Saftdruck steigt, aber die Vegetation hat noch nicht begonnen. In rauen Lagen kann man ein bis zwei Wochen nach der Blüte warten, in milden Regionen beginnt man, sobald die ersten Knospen platzen.<br> <br> <br> <br> Der häufigste Fehler beim Hortensienschnitt passiert im Frühjahr, wenn die Schere ohne Nachdenken angesetzt wird. Wer alle Triebe bis auf den Boden zurückschneidet, nimmt bei vielen Sorten genau die Knospen weg, die im Sommer geblüht hätten. Der Grund liegt in der Biologie: Manche Hortensien legen ihre Blütenanlagen bereits im Vorjahr an den alten Trieben an, andere erst im Frühjahr an neuen Trieben. Wer das verwechselt, wartet ein ganzes Jahr auf Blüten, die nicht mehr kommen können.<br> <br> <br> <br> Himbeeren werden in zwei Gruppen eingeteilt, die sich grundlegend in ihrer Fruchtentwicklung unterscheiden. Einmal tragende Sorten bilden ihre Blüten und Früchte an den Ruten des Vorjahres. Zweimal tragende Sorten, oft als Herbsthimbeeren bezeichnet, tragen im ersten Jahr an der neuen Rute und im Folgejahr an deren unterem Abschnitt. Aus dieser Biologie folgt zwingend, dass ein und derselbe Schnitt nicht für beide Gruppen passt. Wer falsch schneidet, verliert entweder die gesamte Sommerernte oder schwächt die Pflanze nachhaltig.<br> <br> <br> <br> Vor dem Eingriff muss der Boden ausreichend feucht sein. Trockene Erde bricht beim Herausziehen in Klumpen, wodurch benachbarte Wurzeln gelockert oder abgerissen werden. Ein bis zwei Stunden vorher durchdringend wässern, dann kurz abtropfen lassen. Bei schweren Böden reicht ein einmaliges Gießen oft nicht; hier ist es besser, am Vorabend zu wässern und morgens zu arbeiten. Arbeitsgeräte: ein schmaler Holzstab, eine alte Schere und ein Eimer für die entnommenen Pflanzen. Handschuhe schützen vor Verletzungen an rauen Stängeln.