5 Fehler beim Ausreißen zu dicht stehender Ruten

Zuerst weichen alle Äste, die nach innen wachsen. Sie kreuzen sich in der Mitte, scheuern aneinander und erzeugen Wunden, in die Pilze eindringen. Erkennbar sind sie daran, dass sie in Richtung Stamm oder quer durch die Krone zeigen. Solche Triebe werden direkt am Ansatz abgeschnitten, ohne Stummel. Ein kurzer Stummel bleibt nie stehen, weil er zurücktrocknet und eine Eintrittspforte für Krebs bildet. Auch Äste, die mit ihrer Spitze nach unten hängen, gehören dazu: Sie beschatten die darunterliegenden Früchte und tragen selbst kaum.<br> <br> <br> <br> Der häufigste Fehler ist, Wasserschösser im Winter komplett zu entfernen. Das regt den Baum erst recht an, neue, noch stärkere Triebe zu bilden. Besser ist es, sie im Sommer zu behandeln, wenn der Saftdruck nachlässt. Schneide sie nicht direkt am Stamm ab, sondern reiße sie mit einem kräftigen Ruck nach unten aus. Dadurch werden schlafende Augen an der Basis zerstört, und der Baum treibt dort nicht so schnell wieder aus. Bei dickeren Trieben hilft ein schräger Schnitt knapp über dem Astkranz.<br> <br> <br> <br> Was zuerst weicht und was stehen blei<br> <br> <br> <br> Reihenfolge beim Auslichten: erst das Totholz, dann die Konkurrenz Vor dem Schnitt lohnt der Blick auf totes Holz. Tote Äste sind leicht an der grauen bis schwarzen Rinde und daran zu erkennen, dass sie beim Anritzen nicht grün, sondern braun sind. Sie werden zuerst entfernt, weil sie sonst als Infektionsquelle dienen. Danach folgen Steiltriebe, die senkrecht nach oben schießen, die sogenannten Wasserreiser. Sie wachsen schnell, tragen aber kaum Früchte und nehmen den fruchttragenden Ästen das Licht. Wer sie stehen lässt, verliert nach zwei Jahren die Übersicht in der Krone.<br> <br> <br> <br> Wasserschösser am Apfelbaum sind kein Zufall, sondern eine Reaktion des Baumes auf ein Ungleichgewicht. Sie entstehen, wenn der Baum zu stark wächst, aber zu wenig Früchte trägt. Typische Auslöser sind ein zu starker Rückschnitt, ein Überangebot an Stickstoff oder ein zu dichter Stand. Diese Triebe wachsen senkrecht nach oben, sind oft hell und dick und tragen kaum Blüten. Wer sie einfach ignoriert, riskiert, dass der Baum immer mehr Holz und immer weniger Obst produziert.<br> <br> <br> <br> Zuerst wird das Schnittgut sortiert. Weiches Grün von Sommerblühern, dünne Triebe und Laub zersetzen sich schnell und eignen sich für Beete. Hartes, holziges Material von Ästen mit mehr als etwa drei Zentimetern Durchmesser sollte dagegen nicht frisch auf Beete kommen, weil es Stickstoff bindet und dort für Monate liegen bleibt. Solches Holz lässt man vor dem Häckseln einige Wochen ablagern oder mischt es nur unter Sträucher und Bäume, wo es langsam verrotten darf. Krankes Material mit Pilzbefall oder Gespinsten gehört nicht in den Garten, sondern in den Restmüll.<br> <br> <br> <br> Beim Sägen gilt: erst von unten ansetzen, dann von oben nachsägen, damit die Rinde nicht ausreißt. Große Wunden über drei Zentimeter Durchmesser bleiben ohne Wundverschluss, sie heilen an der Luft am besten. Geschnitten wird am besten im späten Winter, zwischen Januar und März, wenn keine starken Fröste mehr kommen. Ein Sommerschnitt im Juni bremst das Wachstum und eignet sich für Bäume, die zu stark ins Holz gehen.<br> <br> <br> <br> Ein weiterer Fehler ist, Wasserschösser mit Fruchtrieben zu verwechseln. Fruchtholz ist dünner, kürzer und endet oft in einer Blütenknospe. Wer alles abschneidet, was senkrecht wächst, entfernt manchmal auch wertvolle Junganlagen. Deshalb gilt: Erst genau hinschauen, dann schneiden. Und niemals alle Wasserschösser auf einmal entfernen – das treibt den Baum zu neuem Wachstum an. Besser ist es, über zwei bis drei Jahre verteilt auszulichten und den Baum langsam ins Gleichgewicht zu bringen.<br> <br> <br> <br> <span style="font-weight: 900;">Manche Wasserschösser lassen</span> <span style="font-weight: bold;">sich jedoch sinnvoll nutzen</span>. <span style="font-weight: 700;">Wenn an einer Stelle ein neuer</span> Leittrieb gebraucht wird, kann man einen kräftigen, gut angewinkelten Trieb auswählen und ihn durch Herunterbinden oder einen Schnitt auf eine nach außen zeigende Knospe in die gewünschte Richtung lenken. Aus einem Wasserschoß wird so ein fruchttragender Ast. Voraussetzung ist, dass er nicht senkrecht bleibt, sondern flach gestellt wird. Das erfordert Geduld: Zwei bis drei Jahre muss man die Form korrigieren, bis er sich beruhigt hat.<br> <br> <br> <br> Korrigiert wird durch vorsichtiges Abtragen an der höheren Flanke. Dabei gilt: lieber mehrfach leicht abtragen als einmal zu viel. Nach jedem Schleifgang wird erneut gemessen, bis die Werte innerhalb der Toleranz liegen. Ein typischer Fehler ist das Schleifen bei laufendem Antrieb oder ohne Fixierung der Krone – dadurch entstehen ungleichmäßige Kanten. Die Krone muss fest im Träger sitzen, sonst verfälscht jede Vibration das Ergebnis.<br> <br> <br> <br> Was mit Wasserschössern im Laufe der Saison geschieht Ein Wasserschoß, der im Frühjahr austreibt, wächst bis zum Sommer oft über einen Meter. Er verbraucht Nährstoffe, die eigentlich in die Früchte fließen sollten. Wenn du ihn nicht eingreifst, verholzt er und wird im nächsten Jahr zum Konkurrenztrieb. Dann verdichtet sich die Krone, Licht und Luft kommen schlechter an die inneren Äste, und Pilzkrankheiten wie Schorf oder Mehltau haben leichtes Spiel. Entfernst du ihn dagegen rechtzeitig, kann der Baum die Energie in Blüten und Früchte stecken. Ein zweiter Effekt: Die Schnittwunde heilt schneller, weil der Trieb noch jung und weich ist.