Wenn du zwei Wochen weg bist, gießt niemand deine Pflanzen

<img src="https://i.ytimg.com/vi/QkPdLnp4KCM/hq720.jpg" alt="Energiekrise: So spart man in der Wohnung | DER SPIEGEL" style="max-width:400px;float:left;padding:10px 10px 10px 0px;border:0px;"><span style="font-weight: 600;">Grünlilien bilden an langen</span> Trieben junge Pflanzen, die bereits eigene Blätter und oft schon kleine Luftwurzeln haben. Diese Kindel sind der einfachste Weg, um ohne Samen oder Stecklinge neue Pflanzen zu ziehen. Wer eine gesunde Mutterpflanze hat, kann nahezu ganzjährig Ableger abnehmen, am besten jedoch im Frühjahr oder Frühsommer, wenn das Wachstum ohnehin stark ist.<br> <br> <br> <br> <span style="font-weight: bold;">Die richtige Wassermenge ohne</span> Messbecher zu bestimmen ist keine Frage von Glück, sondern von Beobachtung und Erfahrung. Wer beim Kochen, Backen oder Gießen ständig daneben liegt, hat meist ein falsches Gefühl für Volumen entwickelt. Das lässt sich korrigieren, aber nur, wenn man gegen die eigene Bequemlichkeit arbeitet.<br> <br> <br> <br> Geduld ist der wichtigste Faktor. Ein Steckling im Wasserglas braucht keine Düngergaben, keinen Zucker und keine Münze im Glas, solche Zusätze fördern höchstens Bakterien. Werden die Blätter gelb, liegt es meist an zu wenig Licht oder zu warmem Wasser. Bleibt eine Schnittstelle über Wochen unverändert, ist der Steckling zu alt oder zu weich. Dann hilft nur ein neuer, frischer Trieb aus dem grünen, nicht verholzten Bereich der Mutterpflanze.<br> <br> <br> <br> Füllen Sie frisches Substrat in Schichten ein und drücken Sie es nur leicht an, damit Hohlräume verschwinden, aber die Wurzeln nicht zerdrückt werden. Gießen Sie anschließend gründlich, bis Wasser aus dem Abzugsloch läuft, und stellen Sie die Pflanze für einige Tage schattiger als gewohnt. Düngen Sie erst nach vier bis sechs Wochen, denn frisches Substrat enthält meist genug Nährstoffe. Kontrollieren Sie danach alle paar Wochen, ob die Wurzeln wieder am Topfrand anstoßen – dann beginnt der nächste Zyklus, und Sie wissen rechtzeitig Bescheid.<br> <br> <br> <br> Vor der Abreise sollte man prüfen, ob das Substrat überhaupt Wasser speichern kann. Reine Torferde trocknet schnell aus und nimmt später kaum noch Feuchtigkeit auf. Wer rechtzeitig etwas Kompost oder Kokosfasern untermischt, verbessert die Speicherfähigkeit deutlich. Ein häufiger Fehler ist das Umtopfen unmittelbar vor der Reise. Frisch umgetopfte Pflanzen brauchen danach mehr Wasser, nicht weniger, und reagieren empfindlicher auf Trockenstress.<br> <br> <br> <br> Ein häufiger Fehler ist das ständige Wechseln des Wassers. Frisches Wasser reizt die Pflanze, aber ein kompletter Austausch alle zwei Tage wäscht Wurzelhormone aus, die sich im Wasser sammeln. Besser ist es, das Wasser nur aufzufüllen, wenn der Pegel sinkt, und es alle sieben bis zehn Tage zu erneuern. Trübes, riechendes Wasser deutet auf Fäulnis hin: Dann schneidet man die matschige Stelle großzügig ab und beginnt mit sauberem Glas neu.<br> <br> <br> <br> Warum die Fingerprobe im Topf zuverlässiger ist als das Auge Für Töpfe und Pfannen gilt eine einfache Regel, die viele unterschätzen: Der Wasserstand sollte die Zutaten bedecken, aber nicht ertränken. Bei Reis, Nudeln oder Gemüse reicht es, wenn die Flüssigkeit etwa zwei Fingerbreit über dem Gargut steht. Dafür den Zeigefinger senkrecht auf die Oberfläche der Zutaten legen und den Daumen an den Rand des Topfes halten – die Differenz zwischen Daumen und Fingerspitze entspricht grob der benötigten Menge. Diese Methode ist nicht exakt, aber sie verhindert die typischen Fehler: zu viel Wasser bei Saucen, zu wenig bei Hülsenfrüchten.<br> <br> <br> <br> Die erste Wurzel ist kein Grund zur Eile. Wurzeln erscheinen je nach Art nach einer bis sechs Wochen, zuerst als kleine weiße Verdickungen an der Schnittstelle. Diese Verdickungen sind Kallusgewebe, noch keine Wurzeln. Erst wenn sich feine weiße Fäden von mindestens zwei bis drei Zentimetern Länge gebildet haben, kann der Steckling eingetopft werden. Wer zu früh umsetzt, verliert die Pflanze an Wurzelfäule in der Erde. Beim Umtopfen wird der Steckling vorsichtig gehalten und mit lockerem Substrat umgeben, das anschließend angegossen wird.<br> <br> <br> <br> <span style="font-weight: bold;">Nicht jede Pflanze verträgt</span> eine Dusche. Pflanzen mit samtigen oder behaarten Blättern, etwa African Violets, Alocasia oder Calathea, speichern Wasser in den Härchen und faulen schnell. Bei ihnen bleibt nur die trockene Reinigung. Auch Pflanzen mit dicken Wachsüberzügen, etwa einige Hoyas, verlieren durch häufiges Duschen ihren natürlichen Glanz. Wer unsicher ist, testet an einem einzelnen Blatt und beobachtet zwei Tage lang.<br> <br> <br> <br> Wer regelmäßig gießt, düngt und für Licht sorgt, übersieht trotzdem oft das Offensichtliche: Die Pflanze wächst längst nicht mehr in den Topf hinein, sondern aus ihm heraus. Wurzeln brauchen Platz, sonst ersticken sie, verfaulen oder heben den Ballen samt Erde aus dem Gefäß. Der entscheidende Moment ist nicht der, in dem die Wurzeln schon auf der Fensterbank liegen. Es ist der davor. Und den erkennt man an wenigen, aber eindeutigen Zeichen.<br> <br> <br> <br> Das zuverlässigste Signal liegt unter der Erde. Drehen Sie den Topf vorsichtig auf die Seite und ziehen Sie die Pflanze am Wurzelhals leicht heraus. Kommen Ihnen dabei dicke, weiße Wurzeln entgegen, die kreisförmig am Topfrand entlanglaufen, ist der Platz längst aufgebraucht. Ein einzelner herausragender Faden durch das Abzugsloch bedeutet dagegen noch nicht automatisch Handlungsbedarf – manche Arten treiben dort von Natur aus kräftige Wurzeln. Erst wenn die Masse den Ballen dominiert und die Erde kaum noch sichtbar ist, wird es kritisch.