Auch das Gießverfahren selbst spielt eine Rolle. Wird das Wachs zu schnell eingefüllt, entstehen Wirbel und Lufteinschlüsse. Die Luft kann nicht entweichen, der Spiegel sackt nach. Langsam und in einem dünnen Strahl gießen, damit die Luft entweichen kann. Bei Formen mit engen Hinterschneidungen hilft es, die Form leicht zu neigen und in mehreren Portionen zu füllen. Zwischen den Portionen kurz warten, damit sich die Temperatur ausgleichen kann.<br>
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Ein zu langer Docht ist die zweithäufigste Ursache. Brennt er länger als etwa einen Zentimeter über dem Wachs, kann die Flamme den Kohlestoff nicht vollständig verbrennen, und es bildet sich Ruß. Vor jedem Anzünden den Docht auf fünf bis acht Millimeter kürzen — mit einer Dochtschere oder einer feinen Nagelschere. Wichtig: Die Kerze muss dafür abgekühlt sein, sonst bricht der Docht und franst aus. Nach dem Kürzen den Docht gerade ausrichten. Ist er zu kurz, wird die Flamme klein und ertrinkt im Wachs; dann vorsichtig etwas Wachs abschütten, nie mit dem Messer im brennenden Wachs hantieren.<br>
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Nach dem Einrühren das Gefäß langsam abkühlen lassen, nicht in den Kühlschrank stellen. Ein zu schneller Temperaturabfall kann Risse und eine ungleichmäßige Duftverteilung verursachen. Erst wenn die Masse vollständig erkaltet ist, zeigt sich, ob der Duft sauber gebunden wurde. Riecht die kalte Kerze ausgewogen und nicht stechend, war die Einrührtemperatur richtig gewählt. Wer diese einfache Regel beachtet, spart Öl, Zeit und Enttäuschung – und bekommt einen gleichmäßigen Duft, der beim Abbrennen hält, was er beim Einrühren versprochen hat.<br>
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Boroblattes Glas, wie es in Laborgeräten und hitzefesten Backformen vorkommt, gehört zu den sichersten Optionen. Es hat einen niedrigen Ausdehnungskoeffizienten, das heißt, es dehnt sich bei Erwärmung nur wenig aus. Genau diese Spannung zwischen heißem Wachs und kalter Glaswand führt zum Bruch. Borosilikat hält Temperatursprünge von rund 100 Grad Celsius aus, wenn keine Vorschäden vorhanden sind. Trotzdem gilt: Ein Sprung im Glas bleibt ein Sprung, auch wenn es hitzefest ist.<br>
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Die Dosierung entscheidet über das Endergebnis, weil Kerzenwachs Farbe anders annimmt als Wasser oder Lack. Bei flüssigen Fettfarben liegt ein üblicher Richtwert bei etwa 0,5 bis 2 Gramm pro 100 Gramm Wachs für zarte Töne, für kräftige Töne bis etwa 4 Gramm. Pulverpigmente sind stärker konzentriert und werden deutlich niedriger dosiert, oft zwischen 0,1 und 1 Gramm pro 100 Gramm Wachs. Wachsfarben in Pastenform liegen meist dazwischen. Diese Werte sind Startpunkte, keine festen Grenzen, denn jedes Wachs und jedes Pigment verhält sich anders. Deshalb gilt: lieber mit einer kleinen Charge beginnen, auskühlen lassen und die Farbe erst dann beurteilen, wenn die Kerze vollständig ausgehärtet ist. Flüssige Farbe im warmen Zustand wirkt immer kräftiger als das spätere Ergebnis.<br>
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Wer reproduzierbare Ergebnisse braucht, arbeitet mit einer schriftlichen Rezeptur: Wachsmenge, Farbstoffart, exakte Zugabemenge, Schmelztemperatur und Aushärtezeit. Ein kleiner Rest der Charge bleibt als Farbmuster erhalten. So lässt sich eine Farbe später exakt wiederholen, ohne erneut zu raten. Wichtig ist außerdem, Werkzeuge nach jedem Farbwechsel gründlich zu reinigen, da kleinste Pigmentreste sonst die nächste Charge verfälschen. Bei transparenten oder halbtransparenten Kerzen wirkt die Farbe deutlich intensiver als bei opaken Wachsen, weshalb dort weniger Farbstoff nötig ist. Letztlich entscheidet nicht die Menge allein, sondern das Zusammenspiel aus Pigmentart, Wachszusammensetzung und Temperatur.<br>
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Wachs, Farbstoff und Temperatur zusammenbringen Der Farbstoff wird niemals ins fertige kalte Wachs gegeben. Er muss in das geschmolzene Wachs, das dann etwa 75 bis 85 Grad Celsius haben sollte. Zu heißes Wachs zerstört manche organischen Farbstoffe, zu kaltes Wachs nimmt die Farbe nur ungleichmäßig auf. Praktisch ist eine Vorgehensweise mit zwei Gefäßen: eine kleine Menge Wachs schmelzen, den Farbstoff darin konzentriert anrühren und diese Farbbasis anschließend in das übrige Wachs einrühren. So verteilt sich die Farbe gleichmäßiger und es entstehen keine dunklen Schlieren. Rühren mit einem sauberen Holzstäbchen oder Metallstab, nicht mit Kunststoff, der bei diesen Temperaturen weich wird.<br>
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Typische Fehler sind eine überdosierte Farbe, die beim Abbrennen rußt oder den Docht verstopft, sowie ein zu schnelles Gießen, bei dem sich Pigmente am Boden absetzen. Ein weiterer Fehler ist das Nachfärben bereits erkalteter Kerzen: Das Wachs schmilzt ungleichmäßig, die Oberfläche wird fleckig und die Farbtiefe bleibt unregelmäßig. Wer Duftstoffe zugibt, sollte sie erst nach dem Farbstoff und vor dem Gießen einrühren, da viele Duftöle die Farbe leicht aufhellen können. Auch das Mischen verschiedener Farbstoffe sollte sparsam erfolgen, denn nicht jede Kombination bleibt stabil; manche Töne kippen nach einigen Tagen ins Grünliche oder Graue.